Nebraska

LiteraTour – literarische Reise nach Nebraska

Die literarische Reise führt mich diesmal nach Nebraska. Neben dem Krimi Dunkelzeit stelle ich Fürchte den Donner und die Erzählung Der Schnee von Nebraska vor.

Nebraska wurde als 37. Bundesstaat in die United States of America am 1. März 1867 aufgenommen. 
Nebraska hat den Spitznamen „Cornhusker State“ („Maisschäler-Staat“).
Die Hauptstadt von Nebraska ist Lincoln,
die bevölkerungsreichste Stadt und wirtschaftliches Zentrum ist Omaha.

TUBS, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons1

Nebraska besteht aus zwei großen Regionen: die Dissected Till Plains (zerschnittene Grundmoränenebenen) und die Great Plains. Die Sandhills, die größten zusammenhängenden Sanddünen der westlichen Hemisphäre, liegen in der Mitte.

Eine Besonderheit

Das gesetzgebende Organ von Nebraska besteht aus nur einer Kammer, im Unterschied zu anderen amerikanischen Bundesstaaten, in denen es aus zwei Kammern besteht. Ihre Mitglieder werden ohne offizielle Bezugnahme auf ihre Parteizugehörigkeit gewählt.

In der Literatur wird Nebraska oft als Sinnbild für Weite, Natur und das einfache Leben dargestellt.

Ausgewählte Bücher, die in Nebraska spielen

Erin Flanagan
Dunkelzeit
Originaltitel: Deer Season
Atrium Verlag AG, 2023
368 S.
Krimi, Sozialstudie
Gunthrum, Nebraska, 1985 Alma und Clyle nehmen den geistig beeinträchtigten Hal als Landarbeiter und quasi Adoptivsohn zu sich auf die Farm. Von einer Jagd mit Freunden kehrt Hal mit einem Pick-up zurück, der blutverschmiert und eingebeult ist. Hat das Verschwinden von Peggy am selben Wochenende etwas mit Hal zu tun?
Mehr zu: Dunkelzeit
Jim Thompson
Fürchte den Donner
Originaltitel: Heed the Thunder
Heyne Verlag, 2015
465 S.
Familiensaga mit dramatischen Wendungen
Im Zentrum steht das Leben der Familie Fargo über einen Zeitraum von 10 Jahren. Der Fargo-Clan hat es mit der Farm hauptsächlich durch den Anbau von Weizen zu einem gewissen Reichtum gebracht. Schicksalsschläge erschüttern die Familie.
Mehr zu: Fürchte den Donner
Joachim Maass
Der Schnee von Nebraska
Persona Verlag, 2024
112 S.
Erzählung
Im Zug durch Nebraska kommen zwei Männer ins Gespräch. Im Laufe der Unterhaltung berichtet der eine von einer ungeheuerlichen Tat.
Mehr zu: Der Schnee von Nebraska
Cather Willa
Meine Antonia
Originaltitel: My Ántonia
Anaconda Verlag 2023
368 S.
Klassiker über erste Siedler
Jim Burden, Ich-Erzähler, kommt im selben Zug wie die Familie Shimerdas nach Black Hawk, eine kleine (fiktive) Stadt in Nebraska. Die Shimerdas sind aus Böhmen eingewandert. Das Leben in der Prärie ist nicht einfach für die Familie. Im ersten kalten Winter bringt sich der Vater um und der älteste Sohn muss die Farm mit Hilfe seiner Schwester Antonia übernehmen. Jim gibt Antonia Nachhilfe in Englisch und lernt sie dabei besser kennen. Er bleibt auch später im Kontakt mit ihr. Antonia stellt sich tapfer den Herausforderungen auf dem Land, auch als sie schwanger allein zurückbleibt.
In dem Roman stellt Cather Willa die Lebensbedingungen der ersten Siedler literarisch sehr anschaulich dar. Ich konnte förmlich einen Winter in der Prärie spüren. Das Werk erschien 1918 erstmals.

Buchbesprechungen

Dunkelzeit

Der Roman Dunkelzeit von Erin Flanagan spielt in einem kleinen Städtchen im Nebraska um 1989.

Erin Flanagan
Dunkelzeit
Originaltitel: Deer Season
Übersetzung: Dr. Cornelius Hartz, Stefanie Kremer
Atrium Verlag AG 2023
368 S.
w1-verlage.de

Es ist nicht viel los in dem kleinen Städtchen Gunthrum. Alma und Clyle Costagan leben hier seit einigen Jahren auf einer Farm. Clyle bewirtschaftet die Felder, Alma fährt mit dem Bus Kinder zur Schule. Da die beiden keine eigenen Kinder bekommen können, kümmern sie sich um Hal, einen Jungen. mit geistigem Handicap. Sie möchten ihm ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. An einem Wochenende 1985 beginnt die Jagdsaison für Hirsche in Nebraska. Hal wird eingeladen mit Freunden auf die Jagd zu gehen. Vom Jagdausflug zurück gesteht Hal eine Hirschkuh illegal erlegt zu haben. Blutspuren im Kofferraum seines Pick-Ups bestätigen sein Geständnis.

Peggys Verschwinden

In derselben Nacht verschwindet Peggy, ein Mädchen, das Hal sehr gerne mochte. Die Suche nach ihr verläuft ergebnislos und so mehren sich die Befürchtungen, dass ihr etwas zugestoßen sein muss. Kann es sein, dass Hal, der für Peggy geschwärmt hat, etwas mit ihrem Verschwinden zu tun hat? Alma, die ihn beschützen möchte, weigert sich Zusammenhänge zu sehen.

Bei der Suche nach Peggy werden ganz nebenbei auch Geheimnisse der örtlichen Bevölkerung ans Licht gebracht. Sie sind der eigentlich Kern des Romans und zeigen das vorherrschende Geflecht aus Misstrauen und eingefahrenen Denkmustern. So bleibt auch Alma als Zugezogene eine Außenseiterin, obwohl sie schon seit vielen Jahren im Ort lebt.

Sozialstudie

Das Buch ist eher eine Sozialstudie als ein Krimi. Mich hat bewegt, mit welcher Intensität der Druck von außen und die allgemeine Moral das Leben einer Familie beeinflussen können.

Mehr zu Nebraska

Fürchte den Donner

Jim Thompson
Fürchte den Donner
Originaltitel: Heed the Thunder
Übersetzung: Franz Dobler
Heyne Verlag, 2015
465 S.
penguin.de

Fürchte den Donner ist das Porträt einer Kleinstadt in Nebraska und spielt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In Verdon gibt es nicht viel, gerade mal eine Bank, zwei Geschäfte und ein Gerichtsgebäude. Jeder kennt jeden, die Familiengeschichten sind allgemein bekannt. Lincoln Fargo ist der Patriarch einer großen Familie, die sich anders, als von ihm gewünscht, entwickelt.

Sherman, der älteste Sohn der Familie versucht wie sein Vater den Betrieb der Farm weiterzuführen, während der jüngere Sohn Grant mehr vom Reichtum lebt und sich mit den Frauen im Ort vergnügt. Seine Tochter Edie kehrt mit ihrem kleinen Sohn Bob auf die Farm zurück, weil ihr Mann sie verlassen hat. Myrtle, die jüngste Tochter heiratet den Bankangestellten Alfred, der in korrupte und unverantwortliche Geschäfte verwickelt ist. Und auch die verwöhnten Enkel kosten ihre Privilegien aus.

Kritik am System

Thompson beschreibt durch die Geschichte und deren Ansiedlung in Nebraska die Gier der Menschen, die zur Ausbeutung von anderen und der Natur führt.

Wir pflügen die Prärie um, weil sie unser ist, um sie zu pflügen, und wir stauen die Flüsse auf, weil sie unser sind, um sie zu stauen. Wir krallen uns alles, was wir können, solang wir’s uns irgendwie krallen können, weil’s uns gehört und weil’s irgendein anderer Kerl tun wird, wenn wir’s nicht tun 

Wie im Titel schon angedeutet spielt die Natur (Donner und Stürme) eine wichtige Rolle in der Symbolik für den Verfall der Familie. Thompson versteht es darüber hinaus, die Personen mit ihren Entscheidungen und Schicksalsschlägen lebendig darzustellen. Ich fand besonders gelungen, dass der Roman in Nebraska angesiedelt ist.

Der Schnee von Nebraska

Joachim Maass
Der Schnee von Nebraska
Herausgeber: Andreas F. Kelletat
Persona Verlag 2024
978-3-924652-46-3
112 S.
personaverlag.de

Im Zug durch Nebraska

Zwei Männer, der Doktor und der Ich-Erzähler, durchqueren im Zug die USA in den 1930er Jahren. In der ungeheuren Prärie von Nebraska überdeckt Schnee die grenzenlose Weite. Bei einem Glas Whisky beginnt der Doktor eine Geschichte, die sich in dem kleinen Ort Ogallala, einem typischen Präriestädtchen, zugetragen haben soll. In diesem Städtchen lebt Dr. Watson, ein angesehener Chirurg mit seiner jungen Frau, seinen Söhnen aus erster Ehe und seinem Sohn Chuck. Die Familie führt ein glückliches Leben, selbst die Söhne verstehen sich ohne jegliche Spur von Eifersucht und der kleine Chuck ist der Liebling der Familie und des ganzen Ortes. Eines Tages wird Chuck entführt. Bei der Suche offenbaren sich Hintergründe.

Über den Schriftsteller Joachim Maass

Der persona Verlag hat die 1938 erstmals erschienene Erzählung 2024 neu mit einem Nachwort von Andreas F. Kelletat und einer Anmerkung von Joachim Maass herausgeben.

Joachim Maass hat die USA 1937/38 bereist. Beeindruckt zeigt er sich von Naturgewalten, wie furchtbaren Schneestürmen und sintfluthartigen Überschwemmungen, die ihm eine andere Seite Amerikas nahe bringen. Seine Durchquerung von Nebraska findet sich in der Erzählung ebenso wieder wie die reale Entführung eines Jungen, von der Maass auf seiner Reise in der Zeitung gelesen hatte. Nicht alle Teile fügen sich logisch zusammen, aber das Anliegen des Autors wird beim Lesen deutlich spürbar.

Maass schreibt von seinen Eindrücken über Amerika,

dass man das schwierige Wesen des amerikanischen Menschen gar nicht begreifen kann, wenn man nicht das Menschenbildnerische in dieser Schicksalsmacht begreift. Der Drang, sich ablenken zu lassen; die sonderbare Resignation ins einmal Gegebene, dem man sich sozusagen auf Gnade und Ungnade überantwortet weiß; der Lakonismus und die Schweigsamkeit und vor allem auch die große Güte und Hilfsbereitschaft des amerikanischen Menschen – all diese Eigentümlichkeiten haben, glaube ich, mit einem dämonischen Hinter-den-Dingen zu tun

Hereinbrechen des Bösen

Mir hat der knappe und doch eindringliche Stil des Autors gefallen. Die Erzählung bringt die karge Landschaft, menschliche Gefühle und die Macht der Natur auf eindrückliche Weise zusammen. Joachim Maass konnte sich mit den Verhältnissen in Deutschland weder während der Nazi-Zeit noch danach abfinden. Es blieb ihm nur, „in einer Fremde zu siedeln, die mir gegen den Preis einer kargen Loyalität den Komfort einer kühlen Gastlichkeit gewährt“.

  1. https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/ ↩︎