LiteraTour – literarische Reise nach Nevada
Die literarische Reise führt mich diesmal in den Westen der USA nach Nevada. Der Bundesstaat gehört zu den Rocky Mountain States. Es werden die Bücher No way home von T.C. Boyle und Ein feiner Typ von Willy Vlautin näher vorgestellt.

Nevada wurde am 31. Oktober 1864 als 36. Bundesstaat in die United States of America aufgenommen.
Der Bundesstaat ist als Silver State bekannt.
Das Staatsmotto lautet: All For Our Country
Die Hauptstadt von Nevada ist Carson City.
TUBS, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons1
Große Teile des Staates bestehen aus kargen, unfruchtbaren Wüsten- und Berglandschaften als Teil des Great Basins, weshalb die Bevölkerung sich auf wenige Städte konzentriert. Fast drei Viertel der Bevölkerung Nevadas leben im Clark County, zu dem der Großraum von Las Vegas gehört.
Die ausgewählten Romane spielen alle zeitweise in der Wüste Nevadas.
Ausgewählte Literatur mit Handlungsort Nevada
| T.C. Boyle No way home Originaltitel: No way home Hansa Literaturverlag 2025 384 S. | Zwischen der Wüste Nevadas und der Großstadt Kaliforniens Eine Frau zwischen zwei Männern: Terry, Assistenzarzt in Los Angeles erbt das Haus seiner Mutter in Boulder City mitten in der Wüste Nevadas. Als er sich um das Erbe kümmern will, sitzt Bethany, eine attraktive junge Frau auf der Couch in seinem Haus. Mehr zu No way home | |
| Willy Vlautin Ein feiner Typ Originaltitel: Don’t skip out on me Berlin Verlag 2019 336 S. 978-3827013781 | Coming of age Horace Hopper, halb Indianer vom Stamm der Paiute, halb irischer Abstammung hat nach dem Verlust seiner Eltern ein Zuhause bei den Reese auf der Farm gefunden. Das Ehepaar hat ihn wie einen Sohn aufgenommen und denkt sogar daran, ihm die Farm zu überschreiben. Doch Horace möchte sich beweisen, dass er zu etwas Großem berufen ist, nämlich Boxchampion zu werden. Mehr zu Ein feiner Typ | |
| Rita Bullwinkel Schlaglicht Übersetzung: Nikolaus Stingl Rowohlt Taschenbuch 478 S. | Boxerinnen im Ring An einem Wochenende im Boxpalast in Reno findet der jährliche DAUGHTERS OF AMERICA CUP für Boxerinnen unter 19 Jahren statt. 8 Frauen stehen sich im Ring gegenüber. Alle acht sind angetreten in der Hoffnung den Cup zu gewinnen, doch nur eine kann als Siegerin heimkehren. Es beginnt ein gegenseitiges Taxieren, Gedanken kreisen um die eigenen Ängste, Erwartungen, Vorbereitungen, Bedeutung und familiäre Anerkennung des Boxens, aber auch um Zukunftsvisionen. Rita Bullwinkel wählt für ihren Roman die Wüste Nevadas als Hintergrund. Dieser verstärkt die Fokussierung auf die acht Frauen und ihre Gedankenwelt. Mir hat das besondere Setting gut gefallen und spiegelt (zu „Ein feiner Typ“ s.o.) einen anderen Blickwinkel auf die Welt des Boxens wider. | |
Buchbesprechung
No way home
Der Roman No Way Home von T.C. Boyle spielt – anders als die meisten Bücher von Boyle, die in Kalifornien angesiedelt sind – überwiegend in Nevada.

T.C. Boyle
No Way Home
Originaltitel: No Way Home
Übersetzung: Dirk van Gunsteren
Hanser Verlag; 2025
384 Seiten
978-3-446-28423-4
hanser-literatur-verlage
Terry, Anfang Dreißig, arbeitet als engagierter Assistenzarzt in Los Angeles. Als er eines Tages die Nachricht erhält, dass seine Mutter verstorben ist, macht er sich auf den Weg nach Boulder City, mitten in der Wüste Nevadas. Seine Mutter hinterlässt ihm einen Hund und ein Haus. Mit beidem kann Terry eigentlich nichts anfangen. Da scheint es eine willkommene Lösung zu sein, dass er Bethany trifft. Die junge Frau ist auf Wohnungssuche, weil sie sich gerade von ihrem Freund Jesse getrennt hat. Sie bietet ihm an, sich um Haus und Hund zu kümmern. Aber Terry widersteht dem Angebot und nimmt den Hund mit nach Los Angeles.
Als er wenig später nach Boulder City zurückkehrt, trifft er Bethany im Haus seiner Mutter an. Sie hat den Haustürschlüssel gefunden und ist in ihrer Not einfach eingezogen. Zusammen mit ihrer obdachlosen Freundin hocken die beiden auf dem Sofa, trinken Alkohol und kiffen. Obwohl Terry genervt ist, rettet er, ganz Arzt, die ins Koma abgedriftete Freundin und lässt sich auch von Bethany bezirzen. Als Jess, der Ex-Freund von Bethany, auftaucht, wird es zunehmend kompliziert und die Situation spitzt sich zu.
Kein Weg zurück
Im Klappentext heißt es No Way Home ist große Literatur über menschliche Abgründe. Dem kann ich nicht so ganz beipflichten. Ich habe das Buch gerne gelesen, fand die überdrehte, recht skurrile Dreiecksbeziehung etwas deprimierend aber auch teilweise amüsant. Die Geschichte ist sicherlich nicht ganz unbeabsichtigt mitten in der Wüste angesiedelt. T.C. Boyle schneidet wie von ihm gewohnt die Themen Wohnungsnot, prekäre Lebenssituationen, wirtschaftliche Abhängigkeit und Umwelt an. Das Aufeinandertreffen dreier mehr oder weniger verkorkster Beziehungstypen – angesiedelt zum einen in der Öde der Wüstenlandschaft und zum anderen im städtischen Los Angeles – spricht für sich. Dies lässt eigene Interpretationen über den Zustand der USA zu, die der Autor verdeutlichen möchte. Da scheint es keinen Weg zurück zu geben.
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Ein feiner Typ
Die Farm der Familie Reese liegt im Nirgendwo von Nevada, in der Nähe des kleinen Örtchens Tonopah (zählt etwas mehr als 2.000 Einwohner, im Nye County).

Willy Vlautin
Ein feiner Typ
Originaltitel: Don’t skip out on me
Übersetzung: Nikolaus Hansen
Berlin Verlag, 2019
320 S.
978-3-8270-7988-6
piper.de (ebook)
Horace Hopper, halb Paiute, halb Ire, wächst auf der Farm der Reeses auf. Seine Mutter hatte ihn erst zur Großmutter gegeben, die es bald jedoch nicht mehr schafft, sich um ihn zu kümmern. Da die Töchter des Ehepaars bereits aus dem Haus sind, wird Horace fast wie ein Sohn für die beiden.
Horace lebt zufrieden bei ihnen, aber sein Traum ist es, sich zu beweisen, dass er mehr als nur ein junger Halbblut ist. Er ist davon überzeugt, es zum Box-Champion schaffen zu können, wenn er nur genügend Disziplin aufbringt. Er verlässt die Farm mit dem Versprechen, eines Tages wieder zurückzukehren.
Traum vom Erfolg
Die Karriere als Box-Champion erweist sich härter, als Horace, der den Namen „Hector Hidalgo“ annimmt, sich vorgestellt hat. Er findet einen mittelmäßigen Trainer, lässt sich auf Kämpfe ein, für die er eigentlich noch nicht gut genug ist, siegt, verliert und er kommt körperlich und seelisch angeschlagen in den Ort zurück. Wieder auf die Farm zu gehen, erscheint ihm unmöglich, um nicht als „Looser“ da zu stehen. Doch Mr. und Mrs. Reese geben nicht auf.
Mein Fazit
In den Kritiken wird der Roman insbesondere als „herzzerreißend“ beschrieben und in der Tat konnte auch ich am Schluss kaum Tränen zurückhalten, so einfühlsam sind das Ehepaar Reese und Horace beschrieben.
- https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0 ↩︎
