Tess Gunty

Der Kaninchenstall (Indiana)

Der Roman von Tess Gunty Der Kaninchenstall spielt an einem fiktiven Ort in Indiana, einem Ort der gezeichnet ist durch den Einbruch in der Autoindustrie.

Cover Roman Kanninchenstall

Tess Gunty
Der Kaninchenstall
Originaltitel: The Rabbit Hutch, aus dem Englischen von Sophie Zeitz
Kiepenheuer & Witsch, 2024
416 S.
978-3-462-00713-8
www.kiwi-verlag.de/

Der Roman Kaninchenstall ist der erste Roman von Tess Gunty, geboren 1993 in Indiana, die für ihr Debüt gleich mit dem National Book Award Fiction ausgezeichnet wurde. Die Handlung ist angesiedelt in einem fiktiven Ort. Vacca Vale liegt im Rust Belt. Der Niedergang der Autoindustrie prägt den Ort und insbesondere den Wohnkomplex, in dem die Geschichte spielt. Dieser wird mit einem Kaninchenstall verglichen.  

Die Personen

Blandine Watkins, die 18jährige Hauptperson im Roman, lebt im Appartement-Komplex in C4, denn wie in einem Koordinatensystem sind die Wohneinheiten durch Buchstaben und Zahlen gekennzeichnet. Gleich zu Beginn des Romans ist davon die Rede, dass sie aus dem Leben scheiden wird. Dieses angekündigte Ende durchzieht etwas mysteriös den Roman bis zum Schluss, ebenso wie die Verbindung Blandines zu den Lehren von Hildegard von Bingen.

Im Laufe des Romans lernen wir die verschiedensten Personen kennen. Im Vordergrund stehen:
Jack, Malick und Todd, alle drei 17 Jahre alt, kämpfen mit ihren eigenen Problemen, als Blandine zu ihrer Zweckgemeinschaft stößt.
Joan Kowalski hat auf einem Nachrufportal die Aufgabe, beleidigende Kommentare zu sperren.
Moses Robert Blitz, der sich von seiner Mutter ewig schikaniert fühlte, bringt dies in seinem Nachruf zum Ausdruck. Joan sieht sich gezwungen diesen zu unterdrücken.
Hope ist eine Mutter, die ihr Baby liebt, aber sich dennoch vor den Augen des Kindes grauelt. Ihre Gefühle und ihr Verhalten irritieren sie. 

Das Baby ist vier Wochen alt. Seit vier Wochen lebt die Mutter im Keller ihres Verstandes. Den ganzen Tag hat sie ihre Ängste mit Mamablogs geschürt.

Bevor die Mutter Mutter wurde, war sie Hope. »Witzig, dass du Hope heißt. Du bist einer der hoffnungslosesten Mensch, den ich kenne.« 

meint ihre Cousine Kara.

In dem Roman werden die verschiedene Erzählstränge mehrerer Personen über Blandine zusammengeführt. Dies geschieht an manchen Stellen phantasiereich, mystisch und gewagt. Als Blandine schließlich bereit ist im Alter von 18 Jahren zu sterben, resümiert sie:

Sie ist erst achtzehn Jahre alt, aber Blandine Watkins hat sich die längste Zeit ihres Lebens gewünscht, dass dies geschehen würde. Ziege, Junge, Nachbar, Fremder, Kaninchen, Falke, Holzfäller, Baum, Waise, Mutter – als sie sich selbst verlässt, ist sie alles.

Tess Gunty führt den Lesenden in eine vom Niedergang der Industrie gekennzeichnete Welt. Dabei sind die Geschichten teils skurril, teils komisch, teils tragisch. Es war nicht immer ganz einfach dem Handlungsstrang zu folgen, dennoch hat mir das Buch sehr gut gefallen.

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