Ben Lerner

Die Topeka-Schule (Kansas)

Der Roman von Ben Lerner Die Topeka-Schule stellt die Bedeutung von Sprache und Sprachfähigkeit ins Zentrum.

Cover Die Topeka Schule

Ben Lerner
Die Topeka-Schule
Originaltitel: The Topeka School
Aus dem amerikanischen Englisch von Nikolaus Stingl
suhrkamp taschenbuch, 2021
395 S.
Suhrkamp

Universitätsstadt Topeka

Der Roman spielt in der Heimat von Ben Learner in Topeka, Ende der 90er Jahre. Adam Gordon steht kurz vor dem Abschluss auf der Highschool. Der Roman wird aus seiner Perspektive und aus der Perspektive von Jonathan und Jane, seinen Eltern, die beide PsychologInnen sind, beschrieben. Außerdem kommt Darren, ein Außenseiter und Patient von Jonathan zu Wort. Eine weitere wichtige Person ist Klaus, ein Freund von Jonathan. Als Holocaost-Überlebender ist er Ende Fünfziger Jahre von Deutschland nach Topeka gezogen.

Sprache im Zentrum

Eine besondere Begabung hat Adam für das Debattieren. Reden, um zu gewinnen, ist eines der zentralen Themen in dem Roman. So erfährt man viel über die verschiedenen Debattierwettbewerbe und Arten des Debattierens. Als eine Technik bei den Wettbewerben wird das „Schnellsen“ vorgestellt. Innerhalb kürzester Zeit versucht dabei der Redner möglichst viele Argumente zu benennen, die es dem Gegner fast unmöglich machen, auf alle Argumente einzugehen.

Adams Mutter Jane ist eine erfolgreiche feministische Schriftstellerin. Durch ihre Bücher wird sie oft angefeindet. Bemerkenswert ihr Umgang mit diesen Anfeindungen. Überwiegend ignoriert sie diese einfach. Bei einem besonders hartnäckigen Anrufer treibt sie diesen fast in den Wahnsinn, in dem sie ihn immer wieder bittet seine Sätze etwas lauter zu wiederholen, weil sie ihn nicht verstehe.

Adams Vater Jonathan ist von Selbstzweifeln hinsichtlich seiner Erziehung von Adam geplagt. Jane erklärt ihrem Sohn

„Dad fragte sich außerdem, ob du das Gefühl hattest, er könnte die Familie nicht beschützen oder so etwas, ob du anfingst, Dads Sanftheit der uns umgebenden Marlboro-Mann-Kultur gegenüberzustellen, ein Gegensatz, der noch dadurch verschlimmert wurde, dass ich jetzt die Hauptverdienerin war, dass ich berühmt wurde und die Leute ständig fragten, wie das denn für Dad sei, als wäre es selbstverständliche entmännlichend, als wäre es für ihn ein Verlust.“ 

Vorgeschichte zur politischen Entwicklung der Gegenwart

Der Roman umreißt eine Fülle von Themen, die hier nur angerissen wurden. Wie Ben Lerner in einem Interview auf der Verlagsseite ausführt, ist der Roman eine Familiengeschichte mit den typischen Problemen eines heranwachsenden jungen Mannes in den 1990ern. Die intensive Auseinandersetzung mit Sprache erlaube aber auch Einblicke in die Vorgeschichte von Trump und verdeutliche eine anhaltende Identitätskrise weißer Männer. Ich konnte diese Absichten gut nachvollziehen und empfand de klein der Kosmos des Landlebens ist und daher Störungen gleich weitreichende Wirkung entfalten. Ich fand den Roman beeindruckend.

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