Thomas Savage

Gewalt der Hunde (Montana)

Das Leben auf einer Ranch in den 1920er Jahren in Montana fernab von Nachbarn beschreibt Thomas Savage in seinem Roman Gewalt der Hunde.

Cover "Die Gewalt der Hunde"

Thomas Savage
Die Gewalt der Hunde
Original: The power of the dog
Übersetzt: Thomas Gunkel
Mit einem Nachwort von Annie Proulx
btb Verlag 2021
326 (350) S.
Presse.penguinrandomhouse.de

Ungleiche Brüder

Der Roman von Thomas Savage spielt in den 1920er Jahren. Die Brüder Phil und George könnten nicht unterschiedlicher sein: Phil der Harte und Intellektuelle, George, der Empfindsame und etwas Einfältige. Gemeinsam haben sie die größte Ranch im Tal von ihren Eltern übernommen. Trotz aller Unterschiedlichkeit führen sie ein scheinbar einträchtiges, harmonisches Miteinander. Das nächste Postamt ist 25 km entfernt, außer den Brüdern leben nur die Ranchhelfer und Cowboys auf dem Gelände. Eines Tages kommt Phil dazu als einige der Männer junge Elstern mit Dynamitkapseln in die Luft jagen. Nach dem Lärm befragt bleibt Phil gegenüber George die ehrliche Antwort schuldig.

Sie standen sich schon immer sehr nahe, ihre Leben hatten sich gegenseitig ergänzt, einer hager, der andere stämmig, einer geschickt, der andere schwerfällig- sie waren wie ein einziger Zwilling, und es ärgerte Phil, wenn er nicht ehrlich sein konnte, dann war er ratlos und wütend.

Gemeinsam schlafen die Brüder im alten „Kinderzimmer“, behalten aber eine gewisse Scham voreinander. Phil wäscht sich an einem geheimen Platz im Fluss, George geht angezogen ins Bad, schließt sich ein und kommt angezogen wieder heraus.

Noch nie hatten sich die Brüder voreinander nackt gezeigt. Bevor sie sich abends auszogen, schalteten sie das Licht aus…

Rose

Johnny Gordon ist Praktikant als Arzt an einer Klinik in Chicago. Er gilt als „von Natur aus freundlich“. Empfindsamkeit ist aber in der Stadt nicht erwünscht und so wird er als Arzt in ein kleines Kaff, nach Beech versetzt. Dieser Ort sei für einen noch nicht so selbstsicheren Anfänger geeignet. Eine Weile praktiziert und lebt er dort gemeinsam mit seiner Frau Rose und seinem Sohn Peter. Peter kommt nach dem Vater. Lieber bastelt er Papierblumen als sich mit anderen Jungs zu raufen. Johnny muss erfahren, wie sich die Farmer über ihn und seine Familie lustig machen. Er versinkt im Alkohol und nimmt sich schließlich das Leben.

Nach dem Tod des Arztes eröffnet Rose ein Gasthaus und Peter hilft ihr dabei. Eines Tages bekommt George mit, wie Phil sich über Peter lustig macht. Er tröstet Rose und zwischen den beiden entwickelt sich eine zarte Beziehung. Als George heimlich heiratet und seine Frau Rose und etwas später auch Peter mit auf die Farm bringt, verändert sich das Verhältnis zwischen den Brüdern. Die Atmosphäre vergiftet sich zusehends. Es stellt sich jedoch heraus, dass Peter auch ein feiner Beobachter ist, der nicht alles so hinnimmt wie es scheint.

Schlussbemerkung

Mir hat das Buch, das ich aufgrund des Titels und der Inhaltsbeschreibung wohl kaum gelesen hätte, außerordentlich gut gefallen. Es kommt in den Beschreibungen der Personen die ganze Einsamkeit und Tragik ihres Lebens zum Vorschein. Obwohl sich Phil als ein unangenehmer Zeitgenosse entpuppt, wird auch deutlich wie sehr er an der Unmöglichkeit verzweifelt, seine sexuellen Neigungen ausleben zu können.nd empfand de klein der Kosmos des Landlebens ist und daher Störungen gleich weitreichende Wirkung entfalten. Ich fand den Roman beeindruckend.

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