Philipp Meyer
Über zwei Jahrhunderte folgen wir der Familie McCullough in Der erste Sohn von Philipp Meyer durch Höhen und Tiefen auf einer Ranch in Texas. Der gut recherchierte Roman bringt ein Stück amerikanischer Geschichte lebendig zum Vorschein.

Philipp Meyer
Der erste Sohn
Originaltitel: The Son
Aus dem Englisch übersetzt: Hans M. Herzog (Übersetzer)
btb Verlag, 2015
608 S.
978-3-442-71309-7
penguin.de
Gründung von Texas
Philipp Meyer thematisierte schon in seinem ersten Roman, American Rust (Rost) den Verfall Amerikas am Beispiel der Stahlindustrie. Auch im Roman Der erste Sohn geht es um die Entwicklung Amerikas aus historischer Sicht. Erzählt wird die Geschichte einer Farm aus der Perspektive von
Colonel Eli McCullough, der als Kind 1849 von den Comanchen entführt wird,
seinem Enkel Peter McCullough und
J.A. McCullough, der Urenkelin des Colonels.
Colonel Eli McCullough
Eli wird als 16jähriger 1849 von den Comachen verschleppt. Über einige Zeit lebt er mit ihnen und lernt deren Lebensweise kennen und sich einzufügen. Diese Zeit bleibt auch später für ihn richtungsweisend. Nachdem er die Comachen verlassen hat, beginnt er einen eigenen Viehbetrieb aufzubauen. Fernab jeglicher Romantisierung stellt er fest:
Über das Cowboyleben wurde geschrieben, als wäre es der Inbegriff von Freiheit, doch in Wahrheit war es eine fast unvorstellbare Plackerei – fünf Monate lang als Sklave einer Horde blöder Rindviecher –, und wäre ich nicht für mein eigenes Brandzeichen geritten, hätte ich keinen Tag durchgehalten.
Eli bleibt für die Familie der Patriarch, der den Ton angibt. In späteren Jahren steht er den Ölbohrungen auf seinem Land aufgeschlossen gegenüber und legt so den Grundstein zum Aufbau des Familienimperiums.
Aus dem Tagebuch von Peter McCullough
Peter ist anders als sein Vater wenig am Geschäftlichen interessiert. So hält er Rinder, obwohl die Zeit längst vorbei ist, in der mit Rindern Geld zu verdienen war. In einer Nacht wird aufgrund eines Verdachts die spanische Nachbarsfamilie Garcia, mit denen die McCullough bis dahin gute Beziehungen pflegten, aus Rache fast vollständig ausgelöscht. Peter gelingt es nicht diesen Rachefeldzug zu verhindern. Als Jahre später Maria, eine der Töchter der Garcias, bei ihm auftaucht, nimmt er sie in seinem Haus auf. Er verliebt sich in sie und folgt ihr entgegen aller Warnungen.
Jeanne Anne (JA) McCullough
Das Leben von Jeanne McCullough wird in Rückblenden erzählt. Zum Ende ihres Lebens ist sie zwar eine reiche Frau, aber auch eine einsame. Als ihr Vater stirbt ist sie 19 Jahre alt und kaum in der Lage, die Verantwortung für die Ranch zu übernehmen. Ihr Onkel stellt ihr Hank an die Seite, den sie später auch heiratet und mit dem sie drei Kinder bekommt. Die Rolle als Mutter füllt sie jedoch nie aus und so kehrt sie bald an ihren Arbeitsplatz zurück. Obwohl sie merkt, dass sie es schwer hat sich in einer Männerwelt zu behaupten, versucht sie es immer wieder. Nach dem frühen Tod von Hank heiratet sie ein weiteres Mal, hat mehrere Liebhaber, bleibt schließlich allein zurück. Als eines Tages Ulises Garcia auftaucht weist sie ihn brüsk zurück, obwohl sie erkennt, dass er der Sohn von Peter ist.
Tiefer Einblick in die Geschichte von Texas
Der Roman basiert auf umfangreichen Recherchen über die Geschichte des Staates Texas, mit seinen lange andauernden Kämpfen um Territorien zwischen Comachen und Siedlern. Die 600 Seiten sind durch eine Mischung aus Familienleben und historischen Hintergründen spannend zu lesen. Teils werden Situationen, wie Rituale bei den Comachen, sehr detailreich beschrieben. Damit rücken die tatsächlichen Lebensverhältnisse, soweit sich dies aus Materialien heute noch ergibt, in den Vordergrund. Mir hat dies sehr gut gefallen.
Mehr zu Büchern aus: Texas
