Texas

LiteraTour – literarische Reise nach Texas

Die literarische Reise führt mich diesmal in den mittleren Süden der USA nach Texas. Es werden die Bücher Der erste Sohn und Kein Land für alte Männer näher vorgestellt.

Texas wurde am 29. Dezember 1845 als 28. Bundesstaat in die United States of America aufgenommen.
Der Bundesstaat hat den Beinamen Lone Star State (übersetzt: Staat des einsamen Sterns).
Die Hauptstadt von Texas ist Hartfort.

TUBS, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons1

Texas ist ein flächenmässig großer Staat mit einer vielfältigen Landschaft. Vorherrschende Wirtschaftszweige sind Rinder, Baumwolle, Holz und Öl. Auf der einen Seite gibt es in Texas einen immensen Reichtum durch die Öl- und Gasförderung, Rüstungsindustrie und Viehzucht, auf der anderen lebt die Mehrheit der TexanerInnen unter schlechten sozialen Bedingungen.

Mit seinen 254 Countys hat Texas die meisten Countys eines Bundesstaats der Vereinigten Staaten.

Stürme über Texas

Texas ist häufig von starken Unwettern betroffen. Schon im Jahr 1900 traf ein verheerender Sturm Galveston.
Nachdem es Ende Mai 2015 schon zu schwersten Niederschlägen in Texas gekommen war, traf Hurrikan „Harvey“ im August 2017 Houston. Große Teile des Stadtgebietes wurden überschwemmt, viele Hauptstraßen unpassierbar.
Auch im Juli 2025 wurde Texas wieder von einer Flutkatastrophe heimgesucht.

Ausgewählte Bücher mit Handlungsort Texas

Philipp Meyer
Der erste Sohn
Originaltitel: The Son
‎btb Verlag, 2015
608 S.
Historischer Roman
Aus drei Perspektiven wird die Geschichte einer Farm in Texas über zwei Jahrhunderte erzählt: Colonel Eli McCullough, der als Kind von den Comanche entführt wurde, sein Enkel Peter McCullough und J.A. McCullough, der Urenkelin des Colonels. Mehr zu: Der erste Sohn
Cormac McCarthy
Kein Land für alte Männer
Originaltitel: No Country for Old Men
Rowohlt Taschenbuch, 2009
284 S.
978-3499242885
Moderner Western
Kein Land für alte Männer gehört zu den Klassikern des modernen Westerns. Mitten in der texanischen Wüste: mehrere Leichen, verlassene Autos und eine zurückgelassene Beute. Geschildert von einem alternden Sheriffs, einem zu plötzlichem Reichtum gekommenen Jäger und einem Profi-Killer, spitzen sich die Ereignisse rund um einen Drogenkrieg an der mexikanischen Grenze zu. Mehr zu Kein Land für alte Männer
Attica Locke 
Bluebird, Bluebird
Originaltitel: Bluebird, Bluebird
Übersetzung: Susanna Mende
Unionsverlag 2024
336 S.
Krimi
2016: Geneva Café in Osttexas am Highway 59, für viele Schwarze, deren Weg vom Süden in den Norden führt, ist dies ein erster Treffpunkt. Am Ende der Stadt, im Eishaus, verkehren dagegen die Weißen. Hier wird ein Schwarzer ermordet gefunden. Was wollte er an einem von neonazistischen Gangs bevorzugtem Ort? Wenig später wird eine junge weiße Frau tot aufgefunden. Falsche Reihenfolge? Darren Mathews, (schwarzer) Texaner durch und durch, ermittelt. Wie in „Der letzte Wolf“ (Virgina), steht auch hier ein Ermittler zwischen allen Fronten. Ein differenzierter Roman mit einem spannenden Plot.
Bryan Washington
Lot
Originaltitel: Lot: Stories
Geschichten einer Nachbarschaft
Kein und Aber Verlag, Zürich 2022
240 S.
Geschichten
Der Ich-Erzähler Nicolás verlebt in den 2017er Jahren als Sohn eines Latino-Vaters und einer afroamerikanischen Mutter seine Jugend in Houston. Es ist die Zeit kurz vor der Flutkatastrophe durch Hurrikan Harvey. Nicolás erzählt von der eigenen Familie, dem Verlassenwerden durch den Vater, dem Versuch der alleinerziehenden Mutter die zwei Söhne und die Tochter durchzubringen, von Nachbarn und dem eigenen Erwachsenwerden und der Entdeckung seiner Homosexualität.
Bryan Washington ist in Texas aufgewachsen. Die Geschichten sind die erste Veröffentlichung des 1993 geborenen Schriftstellers. Sie vermitteln ein eindrucksvolles Bild über das Leben in einem abgehängten Stadtteil in Houston. Ich habe zu den Geschichten leichter Zugang gefunden als zu seinem Roman „Dinge, an die wir nicht glauben“.

Rezension

Der erste Sohn

Philipp Meyer

Über zwei Jahrhunderte folgen wir der Familie McCullough in Der erste Sohn von Philipp Meyer durch Höhen und Tiefen auf einer Ranch in Texas. Der gut recherchierte Roman bringt ein Stück amerikanischer Geschichte lebendig zum Vorschein.

Philipp Meyer
Der erste Sohn
Originaltitel: The Son
Aus dem Englisch übersetzt: Hans M. Herzog  (Übersetzer)
‎btb Verlag, 2015
608 S.
978-3-442-71309-7
penguin.de

Gründung von Texas

Philipp Meyer thematisierte schon in seinem ersten Roman, American Rust (Rost) den Verfall Amerikas am Beispiel der Stahlindustrie. Auch im Roman Der erste Sohn geht es um die Entwicklung Amerikas aus historischer Sicht. Erzählt wird die Geschichte einer Farm aus der Perspektive von 
Colonel Eli McCullough, der als Kind 1849 von den Comanchen entführt wird, 
seinem Enkel Peter McCullough und
J.A. McCullough, der Urenkelin des Colonels.

Colonel Eli McCullough

Eli wird als 16jähriger 1849 von den Comachen verschleppt. Über einige Zeit lebt er mit ihnen und lernt deren Lebensweise kennen und sich einzufügen. Diese Zeit bleibt auch später für ihn richtungsweisend. Nachdem er die Comachen verlassen hat, beginnt er einen eigenen Viehbetrieb aufzubauen. Fernab jeglicher Romantisierung stellt er fest:

Über das Cowboyleben wurde geschrieben, als wäre es der Inbegriff von Freiheit, doch in Wahrheit war es eine fast unvorstellbare Plackerei – fünf Monate lang als Sklave einer Horde blöder Rindviecher ­–, und wäre ich nicht für mein eigenes Brandzeichen geritten, hätte ich keinen Tag durchgehalten.

Eli bleibt für die Familie der Patriarch, der den Ton angibt. In späteren Jahren steht er den Ölbohrungen auf seinem Land aufgeschlossen gegenüber und legt so den Grundstein zum Aufbau des Familienimperiums.

Aus dem Tagebuch von Peter McCullough

Peter ist anders als sein Vater wenig am Geschäftlichen interessiert. So hält er Rinder, obwohl die Zeit längst vorbei ist, in der mit Rindern Geld zu verdienen war. In einer Nacht wird aufgrund eines Verdachts die spanische Nachbarsfamilie Garcia, mit denen die McCullough bis dahin gute Beziehungen pflegten, aus Rache fast vollständig ausgelöscht. Peter gelingt es nicht diesen Rachefeldzug zu verhindern. Als Jahre später Maria, eine der Töchter der Garcias, bei ihm auftaucht, nimmt er sie in seinem Haus auf. Er verliebt sich in sie und folgt ihr entgegen aller Warnungen.

Jeanne Anne (JA) McCullough

Das Leben von Jeanne McCullough wird in Rückblenden erzählt. Zum Ende ihres Lebens ist sie zwar eine reiche Frau, aber auch eine einsame. Als ihr Vater stirbt ist sie 19 Jahre alt und kaum in der Lage, die Verantwortung für die Ranch zu übernehmen. Ihr Onkel stellt ihr Hank an die Seite, den sie später auch heiratet und mit dem sie drei Kinder bekommt. Die Rolle als Mutter füllt sie jedoch nie aus und so kehrt sie bald an ihren Arbeitsplatz zurück. Obwohl sie merkt, dass sie es schwer hat sich in einer Männerwelt zu behaupten, versucht sie es immer wieder. Nach dem frühen Tod von Hank heiratet sie ein weiteres Mal, hat mehrere Liebhaber, bleibt schließlich allein zurück. Als eines Tages Ulises Garcia auftaucht weist sie ihn brüsk zurück, obwohl sie erkennt, dass er der Sohn von Peter ist.

Tiefer Einblick in die Geschichte von Texas

Der Roman basiert auf umfangreichen Recherchen über die Geschichte des Staates Texas, mit seinen lange andauernden Kämpfen um Territorien zwischen Comachen und Siedlern. Die 600 Seiten sind durch eine Mischung aus Familienleben und historischen Hintergründen spannend zu lesen. Teils werden Situationen, wie Rituale bei den Comachen, sehr detailreich beschrieben. Damit rücken die tatsächlichen Lebensverhältnisse, soweit sich dies aus Materialien heute noch ergibt, in den Vordergrund. Mir hat dies sehr gut gefallen.

Mehr zu Büchern aus: Texas

Kein Land für alte Männer

Cormac McCarthy

Kein Land für alte Männer von Cormac McCarthy: Ein Koffer dick angefüllt mit Dollarscheinen- Llewelyn Moss kann der Versuchung nicht widerstehen. Eine Jagd durch Texas beginnt.

Cormac McCarthy
Kein Land für alte Männer
Originaltitel: No Country for Old Men
Rowohlt Taschenbuch, 2009
284 S.
978-3499242885
Rowohlt.de

Geldsegen

Llewelyn Moss, passionierter Jäger, stößt mitten in der Wüste auf eine verstörende Szene: zwei Geländewagen, mehrere Leichen, Spuren, die auf einen Flüchtigen deuten, Heroin und ein Koffer dick angefüllt mit Dollarscheinen. Die Versuchung ist groß und so nimmt Moss das Geld und verschwindet. 
Dies bleibt nicht ohne Folgen, da es natürlich Menschen gibt, die das Geld wiederhaben möchten. Der Auftragskiller (und Psychopath) Anton Chigurh wird auf ihn angesetzt. Aber auch Sheriff Ed Tom Bell lässt der Fall keine Ruhe.

Sinnbild für Leere und Gewalt

Die Handlung des Romans spielt sich überwiegend in einer Umgebung ab, die von Wüste und ausgedörrten Landschaften geprägt ist. Ärmliche Wohnwagensiedlungen, verwaiste Tankstellen, schäbige Unterkünfte prägen das Bild. Auf seiner Flucht gelingt es Moss nicht sich aus den Fängen der Drogenmafia zu befreien.

Der alte Sheriff Bell reflektiert, wie es im Land zu so viel Gewalt kommen konnte. Er selbst kämpft dabei auch mit einem eigenen Versagen.

Es heißt, die Augen sind die Fenster der Seele. Ich weiß nicht, von was dem seine Augen die Fenster waren, und ich will’s auch gar nicht wissen. Aber da draußen gibt’s einen anderen Blick auf die Welt und andere Augen, die sie sehen, und darauf läuft es raus. Mich hat das in meinem Leben an einen Punkt gebracht, von dem ich nie gedacht hätte, dass ich je dort hinkommen würde. Irgendwo da draußen gibt’s einen wahrhaftigen Propheten der Vernichtung, und dem will ich mich nicht stellen. Ich weiß, es gibt ihn wirklich. Ich hab seine Werke gesehen. Ich bin ein einziges Mal vor diese Augen getreten.

Das Buch erschien 2005 unter dem Einfluss von 9/11. Die vielen gewalttätigen Auseinandersetzungen muten dem Lesenden einiges zu. Auch wenn ich diese nicht gerne gelesen habe, konnte ich nachvollziehen, dass sie erforderlich sind, um eine gewisse Grundstimmung, die von Gewalt geprägt ist, zu vermitteln.

Buch und Film

Ab 1979 lebte McCarthy für einige Jahre in Texas. Dies und seine enge Bindung zur spanischen Sprache beeinflussten wesentlich die Wahl der Themen in seinen Büchern. 
Ich habe den Film von den Coen-Brüdern gesehen, nachdem ich das Buch gelesen hatte. Eine gelungene Umsetzung mit trockenen Dialogen, langen inneren Monologen und in erster Linie ganz klar – wie das Buch auch – eine „Männergeschichte“. 😉

Mehr zu Büchern aus: Texas

  1. https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0 ↩︎