Sefi Atta

Ein sonderbarer Immigrant (New Jersey)

Der Roman Ein sonderbarer Immigrant von Sefi Atta erzählt die Geschichte einer jungen Familie aus Nigeria, die in die USA auswandern und zunächst in New Jersey ankommen..

Cover Ein sonderbarer Immigrant

Sefi Atta
Ein sonderbarer Immigrant
Originaltitel: The bad immigrant
Übersetzung: Simone Jakob
Peter Hammer Verlag, 2022
456 S.
978-3779506904
Peter-Hammer-Verlag

Einwandern

Für Lukmon und Moriam, die sich in Nigeria beruflich etabliert haben, stellt die Verschlechterung der Lebensbedingungen im Land einen Anlass dar, über eine Auswanderung in die USA nachzudenken. Sie möchten, dass ihre Kinder, Taslim und Bashira, eine gute Ausbildung bekommen. Moriam bewirbt sich um eine Green Card und hat Glück. Damit scheint sich ihr Traum zu verwirklichen.

Angekommen in Amerika findet die Familie bei einem entfernteren Verwandten in New Jersey eine Unterkunft. Schon bald wird deutlich, dass sie dringend eine eigene Wohnung finden müssen. Moriam nimmt an Schulungen teil, um in den USA als Krankenschwester anerkannt arbeiten zu können. Für Lukmon, der als Professor nigerianische bzw. afrikanische Literatur unterrichten möchte, ist es schwieriger eine Anstellung zu finden. Vorübergehend arbeitet er bei einem Sicherheitsdienst in einem Kosmetikgeschäft.
Den beiden Kindern fällt es leicht, sich in der Schule zu integrieren.

Rassismus und Emanzipation

Während Moriam und die Kinder sich schnell an die Gegebenheiten anpassen, tut sich Lukmon schwer. Als Erzähler und genauer Beobachter beschreibt er seine Umwelt und zieht seine Schlüsse daraus. Er sinniert über Vorurteile und Tribalismus, das Stammesdenken in seiner Heimat. Ihm fällt der Unterschied zwischen „African-Americans“ und „Africans“ auf. Er hadert mit einem Rassismus, den er bei mehreren Begebenheiten aufdeckt. Es verwundert ihn, wie gelassen Moriam dies so hinnimmt.

Ich fragte sie einmal, warum sie sich nicht mehr über Rassismus aufregte, und sie antwortete: »Weil ich Rassisten gar nicht beachte.« Sie war aufrichtig, und die Vorstellung, dass sie wirklich glaubte, sie hätte die Macht zu entscheiden, ob Rassisten sie beleidigten oder nicht, faszinierte mich. »Was, wenn dich einer körperlich angreift?«, fragte ich. Das sei eine Straftat, sagte sie. »Du meinst, ein Hassverbrechen«, verbesserte ich sie. Das seien die meisten Verbrechen, erwiderte sie.

Moriam hat sich durch ihre berufliche Tätigkeit in den USA schnell integriert und sich emanzipiert. Sie ist keine afrikanische Frau mehr, die Angst hat, von ihrem Ehemann verlassen zu werden.

Ankommen

Taslim und Bashira fangen schon früh an, sich an die neue Umgebung anzupassen und den amerikanischen Slang anzunehmen. Auch gegenüber den Eltern verändert sich ihr Umgang. Sie trauen sich mehr zu widersprechen und auf eigenen Ansichten zu bestehen. 

Fazit

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, da ich auf viele Aspekte einer anderen Denkweise, der nigerianischen, aufmerksam wurde. Das betrifft u.a. Essensgewohnheiten, die Stellung der Frau oder den Umstand, dass es Lukmon anfangs schwer fällt weiße Gesichter auseinander zu halten. 
Im Original heißt es The bad immigrant. Ich würde „bad“ mit einem Immigranten, der sich mit der Immigration schwer tut, interpretieren. Dies trifft aus meiner Sicht die Übersetzung „sonderbarer Immigrant“ nicht so ganz.

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