Der Roman Heimkehren von Yaa Gyasi spielt im letzten Teil in Alabama geht aber weit zurück auf die Ursprünge der Sklaverei.

Yaa Gyasi
Heimkehren
Originaltitel: Homegoing, übersetzt von Anette Grube
DuMont Buchverlag, 2018, 416 S.
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Heimkehren erzählt die Geschichte zweier Halb-Schwestern, die sich nie kennen gelernt haben. Über sechs Generationen wird das Schicksal der Familie anhand von Ausschnitten aus dem Leben einzelner Töchter und Söhne in Ghana und den USA verfolgt. Die Hörbuchfassung unterstützt mit den jeweiligen Sprecherinnen und Sprechern die Individualität jeder einzelnen Figur.
Da es der Wechsel zwischen den Handlungsorten nicht ganz einfach macht dem Erzählstrang zu folgen, gebe ich hier einen kurzen Überblick über die Töchter und Söhne, deren Geschichte jeweils auf der amerikanischen und auf der afrikanischen Seite des Ozeans im Mittelpunkt steht .
| Cobbe Otcher hat eine Geliebte Maame, die Mutter von | Maame ist auch die Frau von Gr. Mann Asare und Mutter von |
| Effie Otcher, die den Engländer James heiratet und damit zu einigem Wohlstand kommt. | Esi Asare, die als Sklavin verkauft wird und ein uneheliches Kind (Ness) bekommt. |
| Sohn Quay (1779 geb) wird von seinem Onkel Fiifi zum Häuptlings-Nachfolger der Asante ausgewählt. | Ness, lebt als Sklavin auf den Baumwollfeldern in Alabama. Dort lernt sie Sam kennen. Auf der Flucht werden sie erwischt. Ness lässt ihren Sohn (Kojo) bei Aku. |
| Sohn James Richard will nicht am Sklavenhandel verdienen. Er verlässt seine Familie und heiratet Akosua und lebt als einfacher Bauer (genannt Pechvogel), da er mit seinen Feldern häufig kein Glück hat. | Kojo (Jo) verliebt sich in Anna und geht mir ihr nach Baltimore. Die Angst bleibt, nach Jahren als geflüchteter Skalve noch gesucht zu werden. H ist das siebte Kind von Anna, die eines Tages schwanger mit H spurlos verschwindet. |
| Tochter Abena wird von Ohene Nyamko, ihrem Freund seit Kindertagen, mit dem Versprechen auf eine Heirat hingehalten. Schwanger verlässt sie das Dorf nach Jahren. | H wird in ein Kohlebergwerk am Stadtrand von Birmingham/Alabama verkauft. Mit seiner Frau Ethel hat er zwei Töchter Eli und Willie. |
| Tochter Akua erscheint die Feuerfrau. Sie tötet ihre Töchter nur ihr Sohn Yaw überlebt, gezeichnet von einer Brandnarbe. | Willie unterstützt ihren Vater bei der Gewerkschaft und lernt Robert kennen. Mit ihm bekommt sie Eli und Carson. |
| Yaw wird Lehrer und fühlt sich lange wegen seiner Narbe für Frauen unattraktiv. Nach Jahren heiratet er Esther, die anfangs als Haushälterin für ihn gearbeitet hat. | Carson (Sonny) engagiert sich in der Bürgerrechtsbewegung. Amani, eine Jazzsängerin, mit der aus einer Affäre sein Sohn Marcus hervorgeht, zieht ihn ins Drogenmilieu. |
| Marjorie, Tochter von Yaw und Ester, geht nach Amerika, studiert Literatur und lernt Marcus kennen. | Marcus überwindet mit Marjorie seine Angst vor dem Wasser. Ob beide wissen, woher sie kommen, bleibt offen. |
Einzelschicksale in einen Zusammenhang gestellt
Sinnbildlich für das Schicksal der Familie lässt sich eine Szene deuten: Akua, die von den Geistern der Vergangenheit gequält wird, gesteht ihrem Sohn Yaw den Hintergrund ihrer Träume und spricht über das Unglück mit dem Feuer. Sie kann sich nicht verzeihen, was sie ihren Kindern angetan hat. Es muss daran liegen, meint sie, dass es in ihrem Stammbaum Böses gibt.
» Wenn jemand etwas Böses tut, ob du oder ich, ob Mutter oder Vater, ob es die Menschen von der Goldküste sind oder die Weißen, dann ist es, als würde ein Fischer sein Netz ins Wasser werfen. Er behält nur die wenigen Fische, die er selbst isst, und wirft die anderen zurück ins Wasser im Glauben, dass ihr Leben normal weitergehen wird. Niemand vergisst, dass er einmal gefangen war, auch wenn er jetzt frei ist. Aber dennoch, Yaw, musst du dir erlauben, frei zu sein.«
Die Geschichte von Effia und ihren Nachkommen zeigt die vielschichtigen Ebenen – von den Konflikten zwischen den Stämmen Afrikas bis zu Unterdrückung und Drogenproblemen in Amerika – rund um die Sklaverei auf. Es wird besonders auch deutlich, welche fatalen Folgen die pauschale Bezeichnung „Afrikaner“ für die Menschen auf dem afrikanischen Kontinent hatte und hat.
In Ergänzung dazu lässt sich Barracoon von Zora Neale Hurston mit den Erinnerungen des „letzten Sklavens“ als ein authentisches Zeitdokument lesen.
Mir hat der Roman, insbesondere das aufwendig gestaltete Hörbuch, außerordentlich gut gefallen. Während Roots (s. Tennessee) zu Beginn intensiv in das Leben auf dem afrikanischen Kontinent eintaucht, werden hier einzelne Sequenzen der Familiengeschichte im Laufe von mehr als 200 Jahren in Ghana und den USA parallel gegenübergestellt. Am Ende laufen die beiden Familienzweige zusammen. Es bleibt aber offen, ob dies bewusst oder unbewusst geschieht.


