Louisiana

LiteraTour – literarische Reise nach Louisiana

Die literarische Reise führt mich diesmal tief in den Süden der USA nach Louisiana. Ich stelle die Bücher Im Süden von James Lee Burke und Ist alles deins! von Jami Attenberg näher vor.

Louisiana wurde am 30. April 1812 der 18. Bundesstaat der United States of America.
Beiname: Pelican State
Das Staatsmotto lautet: Union, Justice, Confidence
Die Hauptstadt von Louisiana ist Baton Rouge.

TUBS, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons1

Neben der Hauptstadt Baton Rouge ist New Orleans mit rund 363.000 Einwohnern die bevölkerungsreichste und allgemein bekannteste Stadt. Beide Städte liegen am Mississippi River, durch den der Staat landschaftlich stark geprägt wird. Insbesondere das riesige Mündungsdelta mit großen Sumpflandschaften beherbergt eine reiche Flora und Fauna. Die Bezeichnung Bayou für stehende oder langsam fließende Gewässer ist in den Südstaaten insbesondere in Louisiana weit verbreitet. Dort spielt der Roman Im Süden von James Lee Burke.

Im Vergleich zum Rest des Südens der USA ist Louisiana sehr multilingual und multikulturell geprägt und spiegelt eine Mischung aus französischer (Cajun, Kreol), spanischer, frankokanadischer, akadischer, Saint-Domingue-kreolischer, indianischer und westafrikanischer Kultur wider. Es gibt bis heute keine offizielle Amtssprache, Englisch und Französisch werden als Amtssprache verwendet.

Ausgewählte Literatur mit Handlungsort Louisiana

James Lee Burke
Im Süden
Originaltitel: Flags on the Bayou
btw Verlag 2025
352 S.
Historischer Roman
Louisiana während des Bürgerkriegs 1863: Constable Pierre Cauchon muss den Mord an einem Plantagenbesitzer aufklären. Verdächtigt wird Hannah Lavea, eine Sklavin, der – obwohl unschuldig – nichts anderes übrig bleibt als zu fliehen. Verknüpft werden der historische Hintergrund rund um den Bürgerkrieg und seine Auswirkungen mit persönlichen Schicksalen. Mehr zu Im Süden
Jami Attenberg
Ist alles deins!
Originaltitel:  All This Could Be Yours
Schöffling Verlag, Frankfurt a. M. 2021
320 S.
Gesellschaftsroman
Der 73 jährige Victor Tuchman, reich und nicht beliebt, liegt nach einem Herzinfarkt in einem Krankenhaus in New Orleans. Die Familie trifft zusammen. Nach und nach werden die Abhängigkeiten und Lebenssituationen der einzelnen Familienmitglieder aufgedeckt.
Mehr zu Ist alles deins!
Sarah M. Broom
Das gelbe Haus: Leben und Überleben einer Familie in New Orleans
Übersetzung: Tanja Handels
Hanser Berlin, 2022
432 S.
Biografisch: Geschichte einer afroamerikanischen Familie
Sarah M. Broom hat sich auf die Suche gemacht, wie ihre Familie über Jahrzehnte in New Orleans lebte. In einem vernachlässigtem Stadtteil ist das gelbe Holzhaus Lebensmittelpunkt der Familie. Durch Hurrikan Katrina wird es einfach weggespült und der Stadtteil so nicht wieder aufgebaut.
Durch die detaillierten Schilderungen einzelner Familienmitglieder im Wandel der Zeiten entsteht eine lebendige Familiengeschichte. Die Ungleichheit, aber auch der unerschütterliche Mut haben mich beeindruckt und mir aber auch eine andere Seite von New Orleans gezeigt, die heute nicht mehr zu finden ist.

Im Süden

Der Roman Im Süden von James Lee Burke spielt in Louisiana in den Bayous, dem Sumpfgebiet im Mississippi-Delta, während des Bürgerkriegs 1863.

James Lee Burke
Im Süden
Originaltitel: Flags on the Bayou
Übersetzung: Alexander Wagner
btw Verlag 2025
978-3-442-77506-4
352 S.
Penguin.de

Die Geschichte spielt während des Bürgerkriegs und wird in erster Linie aus der Perspektive der vier Protagonisten Hannah Laveau, Wade Lufkin, Pierre Cauchon und Florence Milton erzählt.
Hannah Laveau, eine kreolische Sklavin arbeitet auf der Plantage der Lufkins. Seit der gewaltsamen Trennung von ihrem Sohn ist sie auf der Suche nach ihm. Eines Tages wird sie eines Mordes bezichtigt. Sie flieht und hofft darauf so auch den Sohn wiederzufinden.
Wade Lufkin ist nach einer Kriegsverletzung zu seinem Onkel auf die Plantage zurückgekehrt. Er steht auf der Seite der Sklaven und versucht sich mit den ihm gebotenen Möglichkeiten für deren Freiheit einzusetzen.
Pierre Cauchon ist ein Constable, der den Mord an Suarez, einem gewalttätigen Farmer, aufklären soll und dabei immer mehr in die Wirren des Bürgerkriegs hineingezogen wird.
Florence Milton, eine abolitionistische Lehrerin, unterstützt Hannah auf ihrer Flucht, bis sie selbst sterbenskrank Hilfe benötigt.

Der Roman zeigt die Sinnlosigkeit dieses brutalen Bürgerkrieges. So heißt es auf S. 190

Mit der Zeit wird es immer mehr Gräueltaten geben, die eine Seite wird die andere provozieren, und jede Seite wird Rache nehmen, und wir werden Geheimnisse haben, die wir mit niemandem teilen können. Das ist die Realität des Krieges, nicht das weltfremde Geschwätz der Dichter.

Im Original lautet der Titel des Roman Flags on the Bayou. Die Flaggen symbolisieren dabei die politischen und gesellschaftlichen Konflikte der Zeit, während der Bayou als Schauplatz der Handlung auf die räumliche und kulturelle Identität Louisianas abzielt.

Starke Frauen stehen im Zentrum dieses Romans, aber auch sie sind geprägt von widersprüchlichem Verhalten. Die Vielschichtigkeit der dargestellten Charaktere machte den Roman für mich zu einer anregenden Auseinandersetzung mit Ort und Zeit.

Burke wuchs in Texas und Louisiana auf. Seine Prosa ist durch sein Zugehörigkeitsgefühl zum Süden geprägt.

Ist alles deins!

Cover Ist alles deins!

Jami Attenberg
Ist alles deins! Roman
Originaltitel:  All This Could Be Yours
Übersetzt von Barbara Christ
Umschlaggestaltung von T. S. Harris
Schöffling Verlag, Frankfurt a. M. 2021
320 Seiten
978-3-7317-6202-7
schoeffling.de

Die Geschichte beginnt als Victor Tuchman, lebensbedrohlich erkrankt, ins Krankenhaus in New Orleans eingeliefert wird. Seine Frau Barbra stakst ratlos auf und ab. Seine Tochter Alex kommt, um die Wahrheit über die Machenschaften ihres Vaters und die merkwürdige Beziehung ihrer Eltern zu erfahren. Bis zum Schluss bringt sie es nicht über sich ihrem Vater zu vergeben. Sein Sohn Gary schafft es nicht den Vater zu besuchen, obwohl er mehrmals Flüge zu ihm gebucht hat. Twyla, die Schwiegertochter von Victor ist weniger vom Familienzwist betroffen. Sie versucht auch diesmal wieder alles im Lot zu halten.

Victor Tuchman wird als ein rücksichtsloser, narzisstischer Mensch beschrieben, der es zu einigem wirtschaftlichem Erfolg gebracht hat. Die Familie hat unter ihm gelitten, aber auch profitiert. So fällt es Ehefrau und Kindern nicht leicht den eigenen Weg zu finden.

Zum Schluss räsonieren Gary und Alex

»Und wahrscheinlich hat er Barbra betrogen«, sagte Gary.
»Und er hat sie geschlagen, und er hat mich geschlagen, und er hat dich geschlagen.«
»Ja.«
»Was für Auskünfte brauchst du noch? Welches große Geheimnis wird da enthüllt?«
»Ich will wissen, warum sie ihn noch geliebt hat.«
»Du willst wissen, warum du ihn noch geliebt hast.«
»Ja.«
»Und ob du so bist wie er, irgendwie. Das ist auch meine Sorge.«

Mir ist besonders der Start in dem Buch nicht leicht gefallen. Sprachlich wird durch viele kurze, abgehackte Sätze ein Stakkato passend zu den Stöckelschritten der Ehefrau erzeugt. Kaum eine der Figuren ist mir sympathisch gewesen. Im Laufe des Romans fand ich dennoch einige Aspekte sehr interessant. Insbesondere harmoniert die geschilderte Atmosphäre mit dem Schauplatz New Orleans, einem vom Hurrikan gezeichneten Ort in der ersten Trump-Ära, sehr gut. Die Hitze und Schwüle in der Stadt im August passt zu der Zerrissenheit der Charaktere.

  1. https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0 ↩︎