Lee Marcie Rendon

Stadt, Land, Raub (Minnesota)

Im Krimi Stadt, Land, Raub von Lee Marcie Rendon steht eine junge indigene Studentin im Mittelpunkt. Er spielt in den 1970er Jahren in Fargo, Minnesota.

Cover Stadt, Land, Raub

Lee Marcie Rendon
Stadt, Land, Raub
Original: Girl Gone Missing
Übersetzt: Jonas Jakob
Argument Verlag mit Ariadne
2021
240 S.
argument.de

Sie heißt Renee Blackbear, aber fast alle nennen sie Cash. Cash, eine indigene Amerikanerin (Native American), ist Studentin. Um sich etwas dazu zu verdienen, fährt sie nachts Rüben vom Feld in die Zuckerfabrik. Sie spielt leidenschaftlich Pool und passt auch sonst in kein gängiges Bild einer jungen Akademikerin. Mit der Zeit erfährt der Lesende den Hintergrund für die Verhaltensweisen von Cash. Wie viele andere Kinder wurde sie aus einem Reservat geholt und in Pflegefamilien gegeben. Die Auswirkungen der Zeit in den Pflegefamilien prägen den Charakter der Protagonistin nachhaltig.

Hintergrund

Der Roman spielt Anfang der 70er Jahre in Fargo. Es ist die Zeit der Bürgerrechtsbewegung, die auch auf die indigene Bevölkerung überschwappt. Die AIM (Amerikanische Indianische Bewegung) wird gegründet. Hoffnung keimt auf sich gegen Ungerechtigkeit zur Wehr setzen zu können.

Sie bauen in den Citys eine Straßenpatrouille auf. Die Bullen haben wohl zur Sperrstunde an der Franklin Avenue ständig Indianer einkassiert, einfach in den Kofferraum gepfercht und am Mississippi abgeladen und übel zusammengeschlagen. Also hat AIM Patrouillen eingeführt, um die Leute sicher nach Hause zu bringen. Die reden davon, dass Indianer für Rechte aufstehen sollen. Mein Freund sagt, sie sind wie Black Panthers, bloss für Indianer.

Einen großen Teil des Romans nimmt die Schilderung des Alltags von Cash ein. Sie geht eigenwillig ihren Weg und steht den Unternehmungen ihres indigenen Umfeldes zurückhaltend gegenüber. Nur widerwillig folgt sie der Einladung, an einem Powwow teilzunehmen. Ein Powwow ist eine gesellschaftliche Veranstaltung, die häufig über mehrere Tage dauert und sich zu einem Fest mit einer Mischung aus Tanzwettbewerb, Jahrmarkt und Familientreffen entwickelt.

Verschwinden einer Kommilitonin

Der einzige Mensch zu dem sie Vertrauen hat, ist Wheaton, der Sheriff von Fargo. Er hat ihr auch zum Studium verholfen. Als eines Tages eine Kommilitonin spurlos verschwindet, bewegt sie der Fall. Schließlich macht sie sich – trotz ihrer Abneigung gegen Großstädte – auf den Weg nach Minneapolis, wo sie selbst in Gefahr gerät.

Eindruck

Es handelt sich entgegen den Erwartungen, die der Titel weckt, nicht so sehr um einen Krimi. Rendon bettet an vielen Stellen Informationen über die Ojibwe-Kultur in die Geschichte mit ein. Dies machte für mich den Roman besonders interessant und regte mich zu ergänzender Recherche an. Der Plot blieb ein wenig farblos, tat aber insgesamt meinem Lesegenuss keinen Abbruch.

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