Gilead ist ein fiktiver Ort in Iowa und Schauplatz der vier Romane von Marilynne Robinson: Gilead, Zuhause, Lila und Jack

Marilynne Robinson
Zuhause
Originaltitel: Gilead
Übersetzt von: Uda Strätling
Fischer Verlag 2018
432 S.
Fischer
Die Tetralogie – ursprünglich wohl als Trilogie angelegt – handelt von John Ames und Robert Boughton, beide sind Geistliche in Gilead in den 1950er Jahren. Im Mittelpunkt steht Jack, das „enfant terrible“ der Familie Boughton. Im ersten Band „Gilead“ erzählt John Ames – kurz vor seinem Tod – seinem Enkel seine Lebensgeschichte, die auch eng mit der Geschichte der Familie Boughton verbunden ist. Jack, das Sorgenkind der Boughtons, ist das Patenkind von John Ames.
In Zuhause(2018) kehrt Jack nach 20 Jahren in das Elternhaus der Boughtons zurück. Lila (2014) erzählt die Geschichte von Ames Romanze und Ehe mit seiner zweiten Frau Lila aus deren Perspektive. Jack (2020) stellt Jack Baughton, das schwarze Schaf der Familie, in den Mittelpunkt und ergründet seine Beziehung zu Della, einer schwarzen Frau. Die Beziehung muss er vor seiner Familie geheim halten, so auch den gemeinsamen Sohn.
Aus der Tetralogie habe ich mich dafür entschieden „Zuhause“ zu lesen. Jack kehrt nach 20 Jahren Abwesenheit in das Elternhaus in Gilead zurück, in dem nur noch sein Vater lebt, der ihn sehnsüchtig erwartet. In dem Haus lebt auch seine Schwester Glory. In Erwartung seiner Ankunft überlegt sie:
Wie würde sie ihn sehen, wie käme er ihr vor, wenn er nicht jahrelang die Schwere ums Herz der Familie gewesen wäre, die Leere, von der man nicht sprach, gleich dem Helden einer tragischen Geschichte?
Glory ist froh, ihren Bruder um sich zu haben. Die Anwesenheit von Jack bringt nach und nach alte Erinnerungen zum Vorschein. Es zeigt sich, die Vergangenheit lässt sich nicht ungeschehen machen und Jack kann nicht aus seiner Haut. Er scheint die calvinistische Lehre der Prädestination so tief verinnerlicht zu haben, dass er Vergebung nicht annehmen kann.
Marilynne Robinson wurde für ihre Romane mehrfach ausgezeichnet. Für Gilead erhielt sie sogar den Pulitzer Prize und den National Book Critics Circle Award. Mir hat der Roman sehr gut gefallen, auch wenn die Dominanz der christlichen Prägung gewöhnungsbedürftig war.
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