Barbara Kingsolver

Demon Copperhead (Virginia)

Demon Copperhead

Der Roman von Barbara Kingsolver Demon Copperhead erzählt die Geschichte von David Copperfield verlegt in die Neuzeit nach Lee County, eine der ärmsten Gegenden Virginias.

Barbara Kingsolver
Demon Copperhead
Original: Demon Copperhead
Übersetzung: Dirk van Gunsteren
dtv Verlag 2024
864 S.
dtv.de

Barbara Kingsolver ist mit ihrem Roman über Demon Copperhead eine Neuinterpretation des Klassikers von Charles Dickens „David Copperfield“ gelungen. Wie der Klassiker handelt auch Demon Copperhead – eigentlich  Damon Fields – von einem Jungen, der in ärmlichen, geradezu aussichtslosen Verhältnissen aufwächst. Aufgrund seines roten Haarschopfs wird er schon früh als „Copperhead“ – eine in den Appalachen heimische Schlangenart – bezeichnet. Die Familie bewohnt einen Trailer in Lee County. Das County zählt zu den ärmsten der USA.

Ein Trailer in den Wäldern Virginias. Das Land der Tabakfarmer und Schwarzbrenner, der Hillbilly-Cadillac-Stoßstangenaufkleber an rostigen Pickups, aufgegeben von sämtlichen Superhelden und dem Rest der Nation.

Insbesondere die ländliche Bevölkerung hat es schwer. News, die über diese Gegend in den überregionalen Nachrichten auftauchen, zeugen von einem Bild, dass durch Armut geprägt ist.

Pinkie hatte angeordnet, alle Meldungen zu bringen, in denen Südwest-Virginia oder die Nachbarstaaten Tennessee oder Kentucky vorkamen. Was meist nicht der Fall war. Aber wenn doch, dann gings garantiert um Armut, geringe Lebenserwartung und so weiter. Der Gedanke dahinter: Wir waren der Schandfleck der Nation.

Demon wächst ohne seinen Vater auf. Der Stiefvater neigt zu Gewaltausbrüchen, die drogenabhängige Mutter verstirbt früh an einer Überdosis (von Medikamenten). Zuflucht findet der Junge bei den Peggots, einer liebevollen und harmonischen Nachbarsfamilie. Nach dem Tod der Mutter kommt Demon zu unterschiedlichen Pflegefamilien. Er muss hart arbeiten, gerät aber immer tiefer in die Abwärtsspirale. Kurze Zeit gibt es Hoffnung, als sein Talent als Football-Spieler erkannt wird, doch eine Knieverletzung führt zum Konsum von Schmerzmitteln, die ihn in die Abhängigkeit führen (Opioid-Krise).

Hoffnungsschimmer

Demon besitzt ein besonderes Talent zum Zeichnen von Comics. Zeichnen wird für ihn eine Möglichkeit seine Erlebnisse zu verarbeiten. Dabei begegnet er Herausforderungen, die ihm sein Leben stellt, oft auch mit Witz.

Der Roman ist spannend zu lesen, an vielen Stellen bedrückend (emotional berührend), aber auch immer wieder hoffnungsvoll. Die Autorin verknüpft Sozialkritik am Umgang mit Opioid-Opfern, am US-amerikanische Fürsorgesystem und an der Stigmatisierung der Landbevölkerung aus den Appalachen mit geschichtlichen und politischen Hintergründen. Am Ende habe ich den Roman fast ein wenig betrübt zur Seite gelegt, so vertraut sind mir die Akteure geworden.

Barbara Kingsolver erhielt für ihren Roman 2023 den US-amerikanischen Pulitzer-Preis für Belletristik. 

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